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Mit Kirschen kochen

Owener Creme im Genusszentrum

Heiße Tage im April, Frost im Mai – das mögen Kirchen gar nicht. Entsprechend mager fällt dieses Jahr die Ernte aus. Aber am Sonntag, den 14. Juli dreht sich im Erlebnis.Genuss.Zentrum von 13.00 bis 16.00 Uhr alles um sie. Brigitte Steinwender vom LandFrauenverband Württemberg-Baden bereitet mit der Ermstäler Knorpelkirsche eine Owener Kirschcreme.

Auf den Streuobstwiesen des Freilichtmuseums finden sich etliche der historischen Kirschen. Eine der alten Sorten, die heute noch eine größere Rolle spielen, ist die „Hedelfinger Riesen Knorpelkirsche“. 1850 wurde sie in Hedelfingen, dem mittlerweile Stuttgart eingemeindeten Ortsteil, als Zufallssämling entdeckt.  Von dort aus verbreitete sie sich über ganz Deutschland und darüber hinaus. Selbst in Frankreich, Österreich, Ungarn und sogar in Amerika wurde sie angebaut. Für die überregionale Ausbreitung sorgte auch, dass der Baum ertragreich, robust und vor allem anpassungsfähig ist. Die in vollreifem Zustand fast schwarzen und herzförmigen Früchte sind groß und süß weshalb die „Hedelfinger Riesen Knorpelkirsche“ auch den Beinamen „die große Süße“ trägt.

IMG 8812 AUTOR Manfred Schaefflereine aromatische Rarität - die Ermstäler KnorpelkirscheAndere traditionelle Sorten sind regional begrenzt, und die meisten findet man nur noch selten. Das ist auch der Grund, warum die „Ermstäler Knorpelkirsche“ 2014 in die Liste der Arche-Passagiere bei Slow-food aufgenommen wurde. Mit ihren relativ kleinen Früchten entspricht sie nicht mehr den Marktnormen und rentiert sich damit für die meisten Anbauer nicht mehr. Die schwarze Süßkirsche mit der feinen Mandelnote war früher sehr begehrt. Mit dem festen Fruchtfleisch konnte sie auch transportiert werden. Die Bäuerinnen von Dettingen an der Erms trugen die Kirschen mit dem Weidenkorb auf dem Kopf bis zu den Märkten nach Urach, Reutlingen und sogar bis ins 60 Kilometer entfernte Ulm. Dort, so die Überlieferung, wurden die Körbe vor dem Verkauf in das Wasser des Marktbrunnens getaucht, um die Maden auszuspülen. Gedörrt wurden die Kirschen sogar mit der Eisenbahn bis nach Bayern geschickt. Heute findet man zur Saison die „Ermstäler Knorpelkirsche“ vor allem auf den Wochenmärkten rund um Reutlingen und im Straßenverkauf.

Auch die „Unterländer Kirsche“ wird meist nur noch als Liebhabersorte im Unterland zwischen Ludwigsburg und Heilbronn und in der Esslinger Gegend vertrieben. Auch hier bezeichnet der Name die Herkunft im Württemberger Unterland. Es begann mit einem Zufallssämling aus dem Raum Esslingen. Später wurde sie zunächst im Schurwald und schließlich in ganz Württemberg angebaut. Wie alle Knorpelkirschen hat sie eine mattglänzende Schale und ziemlich festes Fleisch. Im reifen Zustand ist sie fast schwarz und süß.

Auch die Kerne lassen sich verwerten. Eine alte Praxis ist wieder in Mode gekommen. Die gereinigten Kirschkerne in ein Säckchen gefüllt und im Backofen erwärmt gibt eine Wärmflasche, die nicht auslaufen kann.

Bei einem anderen Brauch macht sich der Klimawandel bemerkbar. Am 4. Dezember, dem Barbaratag, werden Kirschzweige abgeschnitten und ins Wasser gestellt, damit sie bis Weihnachgen blühen und Glück bringen. Doch dafür muss der Baum aber Frost abbekommen haben und meist ist der Dezember dafür inzwischen zu mild. Mit einer Nacht in der Gefriertruhe kann man zumindest den Barbarazweigen zum nötigen Frosterlebnis verhelfen. 

Text: Felicitas Wehnert; Fotos: Manfred Schäffler               


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