Petticoat und Kittelschurz – vom Drunter und Drüber im Wäscheschrank

 

Es ist immer wieder eine Überraschung: Was mag wohl in dem Koffer sein, wer hat die Kleider getragen, zu welchen Anlässen? Es riecht nach Mottenpulver.

Eva Lauk und Christa Wölfel sind bei der Arbeit in der Textilsammlung  des Freilichtmuseums Beuren in der Museumsverwaltung.

Die beiden sind seit vielen Jahren Mitglieder im Förderverein und arbeiten seit 2007 ehrenamtlich in der Textilsammlung des Museums. Regelmäßig sind die beiden Frauen dort im Einsatz, sichten, bestimmen, katalogisieren und fotografieren die einzelnen Wäscheteile die in Koffern, Plastiktüten und Körben als Textilspende im Museum abgegeben wurden.

Da ist z. B. ein schönes hellblaues Kleid mit weißen Punkten. Fachkundig wird das Kleidungsstück beschrieben und bestimmt  wann es wohl getragen und welches Material verwendet wurde. Das Objekt  wird fotografiert und bekommt eine Inventarnummer, damit es später identifiziert und auch wieder gefunden werden kann.

Da liegen sie dann alle nebeneinander: der Zylinder, den Opa bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen getragen hat; das dunkle Kleid für alle Anlässe, verziert mit einem weißen Spitzenkrägchen für die Festtage. Der Petticoat aus den 1950-er Jahren - welches Mädchen war wohl damit beim Tanzen? Die Kittelschürze für alle Tage, sonntags darüber dann noch die weiße Trägerschürze. Das elegante rote Kleid, von der ledigen Tante als Erbstück erhalten. Dazwischen ein Taufkleid, in dem bestimmt mehrere Generationen getauft wurden, ablesbar  an den eingestickten Namen.

Das Kopftuch für die Arbeit auf dem Acker, der schwarze Hut für den Gang zur Kirche  oder die Strickweste für kühlere Tage und die schweren Wollmäntel für den Winter, das Sonntagskleid das mit gewachsen ist. Nur zum Kirchgang wurde es angezogen und hernach wieder die tägliche Kleidung. Wie machen wir es heute?

      

Bettwäsche aus schwerem Leinen, verziert mit einem geklöppelten Band. Geschirrtücher sorgfältig gefaltet und gestapelt, Tischwäsche, Handtücher. Dazwischen eine weiße Bordüre für die Fachböden des Wäscheschrankes, darauf mit blauem Garn gestickt der Spruch: „Was Mütterlein mir einst beschert, halt ich in diesem Schranke wert. Soll glatt und fein geordnet sein, wies einstens hielt mein Mütterlein.“

Nichts mit drunter und drüber im Wäscheschrank. Ordnung muss sein – auch in der Textilsammlung des Freilichtmuseums Beuren.

Text: Christa Wölfel und Eva Lauk, Förderverein
Fotos: Hubert Renz, Förderverein

  Zur Bildergalerie über die Arbeit im Textildepot

  Nächste Seite: Mitmachaktion in der Museumsschreinerei

  Übersicht: Mitglieder aktiv dabei
 

© Förderverein Freilichtmuseum Beuren e. V.  | Kontakt & Impressum | DatenschutzArchiv