Studienfahrt nach Oberschönenfeld und Augsburg

 

Am Samstagmorgen, dem 20. Oktober 2018, machen sich ein gutgelaunter Busfahrer  und fünfundfünfzig reiselustige Fördervereinsmitglieder und -freunde vom Parkplatz des Freilichtmuseums auf, um in Oberschönenfeld die Klosteranlage mit dem Volkskundemuseum und die ehemals freie Reichsstadt Augsburg zu erkunden.

Bei staufreier Fahrt auf der A8, einem beeindruckenden feuerballmäßigen Sonnenaufgang, trifft die Reisegesellschaft unerwartet frühzeitig am ersten Reiseziel ein und erkundet zunächst das Areal der Abtei Oberschönenfeld. Ein weites Gelände tut sich uns auf, gesäumt von verschiedenen sehr schön restaurierten Gebäudekomplexen.

Punkt 10 Uhr empfängt uns eine überaus kompetente Museumsführerin, die beeindruckend viel zu sagen hat, zur Klostertradition und zur Geschichte dieser imposanten klösterlichen Anlage mit:

- dem Besucherzentrum mit einer kleinen Ausstellung zu Oberschönenfeld und der umgebenden Landschaft. Originale Objekte, multimediale Einheiten zeigen Wissenswertes über eine der ältesten Zisterzienserinnen-Abteien in Deutschland mit historischen Hintergründen sowie Humoreskem zur Region Schwaben.

- dem Naturpark-Haus mit Informationen über den Naturpark Augsburg-Westliche Wälder, die Eindrücke vermitteln sollen über den einzigen Naturpark in Mittelschwaben mit einer Dauerausstellung zu den Themen Klimawandel, Energiewende, Bedeutung des Erhalts und der Gestaltung der Land- und Forstwirtschaft für unsere Lebensgrundlage sowie einem Brotladen, wo uns schon am Vormittag der Duft von frisch gebackenem Holzofenbrot lockt.

- der großen barocken Abteikirche, erbaut 1721/1722 mit ihren prunkvollen Deckengemälden, Marmorstaduen, dem Nonnenchor, der durch einen Lettner von Kirchenschiff getrennt ist, sie bildet das Herzstück der Anlage. Daneben die Klosterpforte und das Gebäude der Museumsverwaltung.

-dem Klosterstüble, in dem wir uns nach dem Rundgang niederlassen, aufwärmen und mit leckeren Speisen nebst privatgebrautem Ustersbacher stärken, bewirtet von dirndel- und krachernen Lederhosen gewandtetem Servicepersonal.

- dem Volkskundemuseum, das spannende Einblicke in die ländlichen Lebenswelten in Bayerisch-Schwaben zeigt und in einem kleinen Zeitfenster einen Eindruck vermitteln will zwischen Tradition und Umbruch vom 19. bis etwa Mitte 20. Jahrhundert und dem rasanten Wandel in den 1960er Jahre, der auch die Ordensfrauen der Abtei Oberschönenfeld nicht verschonte in der 800-jährigen Geschichte der Abtei.

Interessant ist dieses Zeitfenster schon deshalb, weil es exemplarisch Biografien von Menschen, Unternehmen und Objekten in Schwaben zeigt mit ihrer großen Vielfalt und ihrem Facettenreichtum, unternalt mit Zitaten und Interviews, die bezeugen sollen wie Alt und Jung, Frauen und Männer in das ländliche Sozialgefüge eingebunden waren, Beispiele von Schweine schlachten, Brot backen und Konservierungsmethoden etc. verdeutlichen dies. 800 Jahre Oberschönenfelder Klostergeschichte verdeutlichen uns wie Geistliches und Weltliches dem Zeitgeist unterliegen.

- der Museums-Remise (mit Holzdachstuhl, einem zimmerhandwerklichen Paradestück), die im Sommer eine trockene Gelegenheit zum Verzehr mitgebrachter Brotzeiten bietet.

- und dem Museumsgärtchen angelegt mit verschiedenen Kräutern, Heilpflanzen und Stauden.

Wollte man alle Eindrücke niederschreiben, es gäbe ein spannendes, lesenswertes Büchlein, aber das ist nicht meine Ambition.

Und schon geht es weiter, wir fahren im Bus gen Augsburg, versammeln uns auf dem Rathausplatz und werden in zwei Gruppen von kompetenten Stadtführern durch die Stadt geleitet.

Erste Sehenswürdigkeit ist das Rathaus mit Perlachturm (erbaut 1615 - 1620), Wahrzeichen der Stadt mit dem Wappen, einer Ananas?, nein doch eher einer Zirbelnuss, allgegenwärtig krönt sie nicht nur die Renaissancefassade des Rathauses, sie ziert z. B. auch Gullideckel und das Wappen des Fußballbundeslegisten FC Augsburg. Warum ein Pinienzapfen zum Stadtwappen werden konnte, soll geschichtlich nicht belegt sein, vermutet wird, dass die Frucht die römische Vergangenheit der Stadt verdeutlichen könnte.

Und weiter gehts durch die Stadt vorbei an der Handelszentrale der Fuggerdynastie mit dem goldenen Büro von Jakob Fugger im ersten Obergeschoss.

Weiter durch die Stadt ins Lechviertel mit den 27 Lechkanälen. Laut unserem Stadtführer soll Augsburg diesbezüglich einen Weltkulturerbeantrag für 2019 gestellt haben, mit der Aussicht auf Erfolg. Man habe sich mit Vendig verglichen und schneide sowohl was die Anzahl der Kanäle, als auch die km-Kanallänge sowie die Brüggle, die über die Kanäle führen, besser ab und rechne daher auf die Auszeichnung. Im Lechviertel findet man auch den letzten Gerbereibetrieb, wo Krachlederne – Hirschlederne bei Bedarf und Gefallen zu erwerben seien, so unser Guide.

So kommen wir alsbald zur weltbekannten Fuggerei, der ältesten sozialen Wohnsiedlung weltweit, die zurückgeht auf Jakob Fugger, 1521 erbaut für schuldlos verarmte Augsburger Bürger gestiftet. Viele Details und Wissenswertes gibt unser Stadtführer zum Besten und unterhält uns vorzüglich mit Fakten und Anekdoten.

Die Anlage besteht aus 67 Hausern mit 140 Wohnung und einer Kirche sowie Verwaltungsbebäuden. Die Jahresmiete soll immer noch den Gegenwert von einem Rheinischen Gulden, aktuell 0,88 Euro, betragen. Drei Gebete täglich für das Seelenheil der Stifterfamilie sollen Bestandteil des Mietvertrags sein. Bis heute wird die Sozialsiedlung nahezu ausschließlich aus dem Stiftungsvermögen (Forstwirtschaft und Immobilien) finanziert und durch die Fürstlich und Gräfliche Fuggersche Stiftungs-Administration verwaltet. Und wie es das Schicksal so will, schreitet der adlige, gut gewandtete Verwalter, den unser Stadtführer freundlich grüßt, an uns vorbei. Wir besichtigen die Schauwohnungen, die eine neuzeitlich (wir staunen über die gute Raumeinteilung), die andere im letzten original erhaltenen Haus, noch wie in früheren Zeiten möbliert.

Zurück wieder zum Rathaus, wir haben noch die Besichtigung des Goldenen Saales auf dem Programm. Der prunkvolle Raum gilt als einer der Glanzpunkte in der Innenraumgestaltung der Renaissance in Deutschland. Die Decke ist mit Blattgold verkleidet. Von der funkelnden  Ausstattung sind wir überwältigt.

Zurück zum Ausgangspunkt und unserem Buseinstieg zur Rückfahrt in die Heimat, sind wir froh und voll beeindruckt von diesem großartigen Tag. Gemütlich und auf fast freier Autobahn fahren wir in den Abend hinein und kommen pünktlich auf dem Freilichtmuseumsparkplatz an. Ein Dank gilt unserem Busfahrer und der exzellenten Reisevorbereitung von Gisela und Jürgen Detloff.

Text: Barbara Späth, Förderverein
Fotos: Hubert Renz, Förderverein
Weitere Fotos von der Studienfahrt finden Sie hier

© Förderverein Freilichtmuseum Beuren e. V.  | Kontakt & Impressum | DatenschutzArchiv